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Laufberichte

Gondomania - laufen, schlemmen, feiern

 

 

Via Simplon-Dorf zum Simplon Pass

 

Ein schmaler, moorig-feuchter, aber mit vielen Steinen durchsetzter Pfad führt hinter Gabi durch kühlen Laubwald bergauf. Kleine Bächlein kreuzen den Weg. Auch etliche Steinstufen sind zu überwinden. Rasch gewinnen wir an Höhe. Aus dem Wald hinaus treten wir in sonnenbeschienene, saftig grüne Alpwiesen. Sanftweich ist hier der Untergrund, sehr angenehm zu belaufen. Um uns herum: Alpenidylle pur. Wenn da nicht die auf zahllosen Pfeilern getragene Simplonpassstraße wäre, die optisch wie akustisch ein wenig die Idylle trübt.

 

 
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So weich der Wiesenpfad ist, so hart ist der Asphalt der alten Simplonpassstraße, die wir schließlich erklimmen. Leicht ansteigend führt sie uns direkt nach Simplon Dorf (1.472 m üNN) und, begleitet von den Anfeuerungsrufen überraschend vieler Zaungäste, mitten hinein in den beschaulichen Ortskern. Erstmals erwartet uns hier bei km 9 eine Verpflegung mit „Vollprogramm“, d.h. mit Wasser, Iso-Getränk, Cola und Bouillon sowie Energy-Riegel, Kuchen, Orangen, Apfel, Bananen, Gels. Geradezu fürsorglich gehegt und gepflegt werden die Ankommenden von den Helfern. Auch unterwegs ist das Versorgungsniveau des Gondo Marathons eine Klasse für sich.

Gleich am Ortsausgang heißt es für uns: Zurück in die Natur. Über Almen hinweg gelangen wir in einen lauschigen, von großen Felsbrocken durchsetzten Lärchenwald. In stetigem Auf und Ab windet sich der wurzelige Pfad hindurch. Man muss sich konzentrieren, aber der weiche Waldboden und das abwechslungsreiche Profil machen den Trail zum Vergnügen. Der stille Weiler Egga (1.588 m üNN) ist die nächste Ansiedlung an unserem Weg. Nur eine schmale Gasse führt zwischen den niedrigen, alten Häuschen hindurch und das Plätschern des Brunnens ist das einzige Geräusch, das ich vernehme.

Über blühende Wiesen und Weiden geht es auf bisweilen fast zugewachsenen Naturwegen dahin. Langsam, aber stetig gewinnen wir an Höhe. Ein kurzer, aber heftiger Anstieg über einen Serpentinenweg bringt uns eine „Etage“ höher in ein kleines Hochtal, wo wir durch den Lärchenwald dem rauschenden Chrummbach folgen. Kaum habe ich mich an den lauschigen Parcours entlang des Baches gewöhnt, wartet schon der nächste kräftige Anstieg. Kurve um Kurve schraubt sich der buckelige, steinige Pfad empor und bringt uns hinauf in eine weite, offene Hochebene. Nur noch sporadisch gedeihen hier Bäume. Gebirgswiesen, teilweise farbenfroh blühend, bestimmen nah wie fern das Blickfeld. Wahrlich grandios ist das Rundumpanorama der umgebenden Berge. Letzte Wolkeninseln umwabern die schneebedeckten Gipfel vor dem makellosen Blau des Himmels.

 

 
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Von weitem schon sehe ich inmitten der Bergeinsamkeit das „kulturhistorische Highlight“ dieser Etappe: das trutzige Alte Hospiz, auch „Altes Spittel“ genannt (km 15). Kaspar Stockalper ließ den sechsstöckigen, schmucklosen Bau mit Glockenturm obendrauf einst auf den Resten eines Johanniterspitals errichten. Die oberen drei Stockwerke des festungsartig wirkenden Gebäudes dienten ihm als Sommerresidenz, in den unseren drei gewährte er mittellosen Reisenden unentgeltlich Unterkunft und Verpflegung.

Überhaupt: Wie kein anderer hat Kaspar Jodok von Stockalper als Person der Zeitgeschichte die gesamte Region geprägt. Im 17. Jahrhundert war er im Wallis das, was man heute einen Wirtschaftsmagnaten nennen würde. Als Großunternehmer betrieb er Export- und Importhandel im großen Stil und organisierte dabei den Verkehr und Transport von Brig über den Simplonpass. Auch Bergbau war sein Metier und er betätigte sich als Bankier, Politiker und bedeutender Bauherr.

Zeugnis jener Bautätigkeit ist eben auch der Stockalperturm von Gondo. Einst diente der Turm als Warenlager und Umschlagplatz für die über den Simplonpass transportierten Güter sowie als Herberge und Versorgungsstation für die Führer der Lasttiere, die sogenannten Säumer. Unsere Laufstrecke von Gondo nach Brig folgt weitgehend dem historischen Pfad („Saumpfad“), auf dem die Säumer seinerzeit über den Simplonpass zogen. Und so heißt der heute als Wanderpfad ausgeschilderte Weg – wie auch sonst – Stockalperweg.

Am Alten Spittel vorbei ziehen wir weiter auf winkeligen, steinigen Pfaden durch die offene Berglandschaft, über kleine Bäche hinweg, durch lila leuchtende Blumenwiesen, unserem nächsten Ziel entgegen: dem Simplonpass auf 2.006 m üNN. Langsam rückt das Passrestaurant am Horizont näher. Doch nicht hier liegt unser Zwischenziel, sondern sehr viel schöner ein paar Meter tiefer an einem kleinen See, wo nach 17 km eine Verpflegungsstelle zur nächsten Auszeit einlädt.

 

... und weiter zum Bistinenpass

 

Wer an einen Gebirgspass denkt, für den ist logisch: auf der einen Seite geht es hinauf, auf der anderen wieder hinunter. Das mag für die den Simplon querenden Autofahrer gelten, nicht jedoch für die Läufer des Gondo Marathon. Für uns ist der Simplon lediglich Zwischenstopp auf dem Weg zum nochmals über 400 Meter höher gelegenen Bistinenpass. Wo der konkret sein soll, kann ich zunächst noch gar nicht ausmachen. Zumindest so viel kann ich erkennen: Es geht weit hinauf, verdammt weit hinauf.

 

 
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Ich folge dem markierten Bergpfad, der in die karge, weite Grassteppenlandschaft führt. Recht schnell geht es nach oben, auch wenn zwischendurch immer wieder flachere Passagen zum Wechsel vom bergmäßigen Walking zum Traben motivieren. Hinter mir baut sich ein zunehmend grandioses Gebirgspanorama auf. Weit unten erblicke ich, einsam auf der Passhöhe thronend, den wuchtigen Gebäudeklotz des 200 Jahre alten Simploner Hospizes, der aber vor dem Hintergrund der über 3.400 Meter hohen Bergmassive von Breithorn und Monte Leone zu Zwergenformat schrumpft. Ihren besonderen Kick bekommt die Kulisse durch die auf halber Berghöhe hängenden Wolkenreste.

Den Weg zum Pass hinauf zieht sich, was realistischerweise auch kein Wunder ist: Immerhin liegen 7 km Wegstrecke zwischen Simplon- und Bistinenpass. Immer tiefer tauchen wir in die in ihrer Kargheit schöne Berglandschaft ein. Bis weit am Horizont sehe ich die Markierungswimpel und -Bänder im kräftigen Wind flattern. Das macht den Anstieg erträglicher, denn ansonsten brennt die Sonne gnadenlos vom Himmel. Als bunte Punkte erscheinen die vor und hinter mir vereinzelt den Hang empor schleichenden Läufer. Weite Abstände liegen zwischen ihnen. Immer wieder umgibt mich totale Stille, die absolute Bergeinsamkeit. Wunderbar …...

In zumeist langen Geraden und Schleifen zieht sich unser Weg am Hang hinauf und immer tiefer in die abgeschiedene Bergwelt hinein. Nur selten macht der Pfad eine scharfe Wendung. Seine Beschaffenheit wechselt immer wieder. Mal ist er steinig und hart, dann wieder ausgetreten bequem, in der Nähe von Wasser wiederum sumpfig-weich. Mehrfach queren wir kleine Bäche, springen über Steine, müssen auch kleine felsige Stellen erklettern. Es gibt Stellen, an denen vor dem Lauf noch gar kein Pfad existierte und das Gras erst durch die Läufer niedergetrampelt wurde.

Immer weiter entfernt sich der Simplon hinter mir aus dem Blickfeld, verschwinden die Berge jenseits des Passes im grellen Gegenlicht. Die Hochgebirgsregion ist erreicht. Die Felsen werden immer kahler und schroffer, sind durchsetzt von Schneefeldern. Der Weg nimmt an Steigung zu und ich werde immer langsamer. Aber gleichzeitig lässt sich nun auch das Ende des Aufstiegs erahnen, bekommt die Passhöhe allmählich ein Gesicht. Und dann ist es auf einmal so weit. Der Weg flacht ab und wenig später erwartet mich bei km 23 die Belohnung für die Mühen: die Verpflegungsstelle auf dem Pass, am höchsten Punkt (2.417 m üNN) unserer Zweitagestour.

 
 

Informationen: Gondo Marathon
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