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Laufberichte

Gondomania - laufen, schlemmen, feiern

 

 

Tag 2: Ried-Brig – Gantertal – Simplon-Pass –
Simplon-Dorf – Gondo

 

Ich schlafe besser als erwartet. Die Luft ist gut, die Temperatur angenehm, der Schnarchindex tendiert gegen Null. Früh bin ich daher munter und bei den ersten, die um 5:30 Uhr zum Frühstück in der Sporthalle auftauchen. Und abermals hat Metzger Stocker zugeschlagen: Begeistert bin ich von der Wurstplatte mit feinsten Walliser Schinkenkreationen am Buffet. Bei heißem Kaffee fühle ich mich gleich hellwach. Sportlich Korrektes wie Müsli und Obst gibt es natürlich auch. Etwas Handfestes im Magen ist mir angesichts der schweren zweiten Etappe aber lieber. Schnell füllen sich die langen Tischreihen, denn heute haben wir nicht ganz so viel Zeit vor dem Start.

 

 
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Die zweite Etappe von Ried-Brig zurück nach Gondo hat ein paar Höhenmeter mehr und gilt als die schwierigere und zeitintensivere. Das wundert mich schon deshalb nicht, weil meine Beine mich schon am Morgen spüren lassen, dass sie den gestrigen Kraftakt noch nicht so ganz verwunden haben.

Ab 7 Uhr gehen per „Jagdstart“ die Schnellsten des Vortages in der Reihenfolge und in den Zeitabständen, in denen sie die erste Etappe bewältigt haben, auf die Strecke. Um 7:30 Uhr treten dann alle diejenigen an, die gestern mindestens eine halbe Stunde langsamer waren – und das sind fast alle. Mit diesem Prozedere geht man sicher, dass derjenige, der zuerst das Ziel in Gondo erreicht, auf alle Fälle der Gesamtsieger ist. Bereits vor 7 Uhr sind fast alle auf dem Startgelände, schon um sich den Start der Schnellsten nicht entgehen zu lassen: Bei den Männern ist das (natürlich) Urs Jenzer, der gestern mit 3:47 alle anderen weit hinter sich gelassen hat. Bei den Frauen steht mit der Freiburgerin Stephanie Schmitz-Weckauf ein noch unbekanntes Talent an erster Postion.

Amüsiert stelle ich fest, dass selbst eine Minute vor dem Massenstart um 7:30 Uhr niemand Anstalten macht, sich an der Startlinie aufzustellen. Erst Sekunden vor dem Start formiert sich das Feld locker vor der Linie und trabt mit dem Startsignal genauso gemütlich los wie gestern in Gondo.

Durch die morgendlich stillen Gassen von Ried-Brig laufen wir zunächst ein paar hundert Meter die gestrige Strecke zurück, biegen dann jedoch nach links auf einen Wirtschaftsweg ab, der zunächst noch recht moderat bergan aus dem Ort und über Weiden und Wiesen in den Wald führt.

 

Rauf zum Schallberg und rein ins Gantertal

 

Als durchaus anspruchsvolles „Entre“ des heutigen Tages stehen 350 Höhenmeter auf den ersten drei Kilometern bis zum Schallberg an. Dementsprechend steil ist der durch den dichten Wald führende holperige Pfad. Kollektives Walking ist angesagt.

Schweigsam und keuchend hastet das noch dichte Läuferband empor. Doch schon bald werden wir optisch reich belohnt. Ein spektakulärer Ausblick eröffnet sich zu unserer Rechten auf die Saltinaschlucht tief unter uns und begleitet uns auf dem folgenden Wegstück. Geradezu beängstigend ist, wie steil die Wände der Schlucht hinunter stürzen. Silbrig glänzend windet sich in deren Talgrund das Band der Saltina. Unser Pfad wird immer ausgesetzter und felsiger. Links geht es senkrecht hinauf, rechts senkrecht hinunter. Geländer sichern vor dem Absturz.

 

 
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Auf dem in den Fels geschlagenen Panoramaweg geht es bis zur ersten Verpflegungsstelle am Schallberg stetig aufwärts. In leichtem Auf und Ab führt ein nun breiterer, bequemer Weg durch Wald- und Wiesengelände gemütlich weiter. Nach einer längeren Biegung eröffnen sich uns neue alpine Horizonte: Im grellen morgendlichen Gegenlicht liegt das Gantertal vor uns.

Bereits aus der Ferne sticht mir das „Wahrzeichen“ des Tales ins Auge: die moderne Ganterbrigga. Als Teil der Simplonpassstraße N9 überspannt sie das tiefe Gantertal auf einer Länge von 678 Metern in einem langgezogenen S-Bogen. Sie gilt als die Brücke mit der größten Spannweite in der Schweiz. Im harten Kontrast steht die moderne Betonarchitektur zur archaischen Natur. Man kann den Brückenkörper als Schandfleck verdammen oder als akzentsetzendes Kunstwerk loben – beeindruckend ist er allemal.

Ein schmaler, aber gut zu belaufender Pfad führt uns hoch über dem Tal am weitgehend offenen Hang über Wiesen und Weiden entlang, stets im Blickkontakt zur Brücke. Es geht leicht bergab, sodass wir im flotten Schritt vorankommen. Kleine Läuferketten bilden sich, denn überholen kann man nur an wenigen Stellen. Vereinzelt bremsen zu öffnende Tiergatter den Lauffluss.

Je näher wir der Brücke und gleichzeitig dem Talgrund kommen, desto höher scheint sie sich über uns aufzutürmen, bis wir schließlich direkt unter ihr hindurch laufend die Talsohle erreichen und ich mir beim Blick auf die 150 Meter über mir thronende Fahrbahntrasse fast den Hals verrenke.

Davon unbeeindruckt zieht munter rauschend die Ganter durch den dicht bewaldeten Talgrund. Unser Pfad mündet in einen breiten Weg, der zunächst an der Ganter entlang führt und sie schließlich quert. Während hinter uns die aus der Ferne fast schon filigran wirkende Ganterbrigga aufragt, erhebt sich vor uns der massige Natursteinklotz der alten Ganterbrücke. Auch sie ist ein beeindruckendes Monument, aber letztlich nur ein ausrangiertes Stück Vergangenheit. Dem Weg unter der alten Brücke hindurch folgend stoßen wir wenig später auf die stillgelegte alte Simplonpassstraße, die uns leicht aufwärts durch den Wald wieder zurück in Richtung Ganterbrigga führt.

Und auf einmal ist die Brücke wieder da, direkt vor unserer Nase. Doch nun sind wir fast auf Augenhöhe mit der Fahrtrasse. Direkt unter der Trasse ist bei km 9 ein Verpflegungsposten eingerichtet. Auch hier wird wie fast jeder Versorgungsstation die Ankunft der Läufer händisch per Liste abgehakt und damit sichergestellt, dass man zumindest weiß, wo man zu suchen anfangen muss, wenn eines der „Schäflein“ - aus welchen Gründen auch immer – verloren gehen sollte.

 

Über das Tafernatal zum Simplonpass

 

Ein herrliches Wegstück erwartet uns gleich hinter der Ganterbrigga. Es macht Spaß, dem sich in stetigem leichten Up and Down durch üppig grüne Waldlandschaft schlängelnden Pfad zu folgen. Nur das Gurgeln kleiner Gebirgsbäche, die wir auf wackeligen Stegen queren, durchdringt die beruhigende Stille des Waldes. Ein Weilchen geht es entspannt so dahin. Die Beschaulichkeit bleibt – nur mit der Entspannung ist schließlich Schluss. Der nächste lange Anstieg steht an. In zahllosen Kurven schraubt sich der Weg nicht endend wollend in die Höhe. Bis auf einmal die Simplonpassstraße erreicht ist. Ein kurzes Stück folgen wir ihr auf dem Grünstreifen am Fahrbahnrand, bis zum Parkplatz Rothwald nach 13 km, immerhin schon auf 1.740 m üNN.

 

 
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Nurmehr 260 Höhenmeter wären es von hier aus zum Kulminationspunkt der heutigen Strecke, dem Simplonpass. Aber so leicht wird es uns nicht gemacht. Denn nun geht es wieder abwärts. Zunächst auf breitem Forstweg, schließlich auf einem Trampelpfad können wir es laufen lassen. 200 Höhenmeter verlieren wir binnen kürzester Zeit auf dem Weg hinab ins Tafernatal.

Durch den Wald meist blickdicht war der Weg hinab ins Tal. Doch aus dem Talgrund wieder hinaus führend, öffnet sich ein Postkartenpanorama vor meinen Augen. Im Vordergrund der reißende, von Kieseln und Felsbrocken gesäumte Gebirgsbach, das Ganze umgeben von wild wuchernden Alpwiesen und tiefgrünen Nadelbäumen, am Horizont hohe massige Berge.

Ein leicht ansteigender Pfad führt uns an der Taferna entlang durch dieses unberührt wirkende Alpenidyll. Über zwei durch einen großen Felsen getrennte, wackelige Holzbrücken überqueren wir das Bachbett. Bei dem Zustand der Brücken frage ich mich, wie sie stärkeren Fluten standhalten sollen, aber zumindest optisch passen sie wunderbar in die Landschaft.

Jenseits der Brücke entfernen wir uns zu meinem Bedauern zusehends von der Taferna und müssen erneut einen langen, steilen bewaldeten Hang bezwingen. In zahllosen Kehren geht es hinauf. Toll ist die Aussicht zwischen den Bäumen auf das unter uns liegende Tafernatal. Auf der anderen Talseite sehen wir in der Ferne die sich durch schützende Galerien den Hang empor windende Simplonpassstraße.

Das Gelände wird zunehmend offener, vereinzelte anfeuernde Zuschauergruppen lassen erahnen, dass der Pass nicht mehr fern sein kann. Die Verpflegungsstelle auf der Passhöhe bei km 19 finde ich unweit der Stelle, wo das „Wahrzeichens“ des Simplonpasses, die Skulptur eines riesigen Steinadlers, hoch auf einem Felsen thront.

 
 

Informationen: Gondo Marathon
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